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Bielefelder Modell: Eine mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte

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Es ist eine mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte: 1996 hat die BGW (Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH) an der Dahlemer Straße in Dornberg erstmals ein Konzept umgesetzt, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte und seitdem in vielen anderen Städten nachgeahmt wurde – das Bielefelder Modell. Es ermöglicht Senioren und jüngeren Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Wohnen mit einer 24-stündigen Versorgungssicherheit, ohne dass dafür eine Betreuungspauschale anfällt. Inzwischen ist die BGW mit 16 Wohnanlagen nahezu in allen Stadtteilen mit dem Bielefelder Modell vertreten. „In direkter Anbindung an das Bielefelder Modell sind bislang 507 barrierefreie Wohnungen neu geschaffen, sowie weitere 150 barrierearm im Bestand umgebaut worden“, erläutert Oliver Klingelberg, bei der BGW zuständig für das Sozialmanagement.

Mitte der 1990er Jahre kamen bei der BGW erste Überlegungen auf, die bereits bestehenden Wohnangebote für ältere Menschen durch ein neues Konzept zu ergänzen. Ziel war es, die bis dahin mit der Versorgungssicherheit verbundenen Pauschalen zu vermeiden, die von den Mietern auch dann gezahlt werden mussten, wenn sie noch gar keine Betreuungsleistungen benötigten. Aus diesen Überlegungen entwickelte die BGW gemeinsam mit dem ambulanten Dienstleister Alt und Jung e. V. das Bielefelder Modell. Einbezogen in bestehende Wohnquartiere und in guter infrastruktureller Anbindung bietet die BGW älteren Menschen und jüngeren Menschen mit Behinderung komfortable und barrierefreie Wohnungen. Kombiniert ist dieses Angebot mit einem Wohncafé als Treffpunkt und Ort der Kommunikation, der allen Menschen in der Nachbarschaft offen steht. Gleichzeitig ist als Kooperationspartner der BGW ein sozialer Dienstleister mit einem Servicestützpunkt und einem umfassenden Leistungsangebot rund um die Uhr im Quartier präsent.

Auf die Hilfs- und Betreuungsangebote des sozialen Dienstleisters können alle Mieter nicht nur der Wohnanlage des Bielefelder Modells, sondern des gesamten Quartiers zurückgreifen. Kostenpflichtig sind dabei nur die Leistungen, die tatsächlich in Anspruch genommen werden; eine feste monatliche Grundservice- oder Betreuungspauschale wird nicht erhoben.

Herzstück der Wohnanlagen ist ein Wohncafé, in dem sich die Mieterinnen und Mieter sowie die Bewohner des Umfeldes treffen können und das ausreichend Platz für Veranstaltungen bietet. Die Aktivitäten werden hier in besonderem Maße durch Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement getragen. Der wichtigste Baustein ist neben vielen anderen Angeboten der tägliche Mittagstisch!

Das Konzept des Bielefelder Modells hat nach den Worten des Bielefelder Sozialdezernenten Ingo Nürnberger dazu beigetragen, dass trotz der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen in Bielefeld der Anteil der ambulanten Pflege stabil geblieben ist. „Allein von 2013 bis 2015 hat die Zahl der Pflegebedürftigen um 11.500 Personen zugenommen, während der ambulante Anteil in der pflegerischen Versorgung nach wie vor bei 25 Prozent liegt“, sagt er.

Um die Stärken, aber auch die Schwächen des Bielefelder Modells zu analysieren und Möglichkeiten zur qualitativen Weiterentwicklung des Konzeptes aufzuzeigen, erfolgt seit Beginn des Jahres 2017 eine wissenschaftliche Evaluation durch das Institut für Pflegewissenschaft (IPW) an der Universität Bielefeld. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt und wurde durch die Förderung der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW ermöglicht.

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