0/5 Herzen (0 Stimmen)
Endometriose 0 5 0

Endometriose

von Dr. med. Wiebke Scharf (Kommentare: 0)

Bei der Endometriose handelt es sich um eine gutartige, gynäkologische Erkrankung. Die Krankheit geht oft mit starken Schmerzen vor und während der Monatsblutung einher und kann unter Umständen eine Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Häufig bleibt Endometriose über längere Zeit unerkannt. Viele Frauen leiden jedoch an einer Endometriose und schätzungsweise kommen jährlich 40.000 Neuerkrankte hinzu.

Was genau ist eigentlich Endometriose und wie äußert sie sich?
Bei einer Endometriose wächst gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe nicht nur in der Gebärmutterhöhle, sondern „verirrt“ sich an Stellen, an die es nicht gehört, wie zum Beispiel die tieferen Wandschichten der Gebärmutter oder in anderen Organen, wie Bauchfell, Eierstock oder Eileiter. Auch Blase, Darm oder Lunge können in seltenen Fällen betroffen sein. Kurz: Wenn die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der inneren Höhlen der Gebärmutter zu finden ist, spricht man von Endometriose. Das dort angewachsene Gewebe ist voll funktionstüchtig und beteiligt sich wie die normale Gebärmutterschleimhaut am Menstrua-tionszyklus.
Auch wenn die Erkrankung gutartig ist, so verläuft sie doch chronisch und oft schmerzhaft.  

Es lassen sich drei Formen der Endometriose unterscheiden:

Endometriosis genitalis externa
Die Gewebsansammlung, auch als Endometrioseherde bezeichnet, entwickelt sich innerhalb des kleinen Beckens wie der Gebärmutter, dem Bauchfell, den Eierstöcken oder den Eileitern.

Endometriosis genitalis interna
Endometrioseherde befinden sich innerhalb der Gebärmuttermuskulatur. Starke Regelschmerzen treten auf. Frauen mit einer Endometriosis genitalis externa haben teilweise gleichzeitig auch eine Endometriosis genitialis interna.

Endometriosis extragenitalis
In den Nachbarorganen der Gebärmutter, wie Blase oder Darm, treten Endometrioseherde auf. Selten sind die Organe außerhalb des kleinen Beckens wie zum Beispiel Zwerchfell, Nabel oder Lunge betroffen.
Zwar kann Endometriose im Prinzip alle Organe betreffen, sie tritt allerdings am häufigsten bei Organen in unmittelbarer Nähe zur Gebärmutter auf.

Ursachen
Die genauen Ursachen für Endometriose sind bislang ungeklärt. Es existieren verschiedene Ansätze, um den Grund für das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle zu erklären.
Zum einen wird davon ausgegangen, dass durch Muskelbewegungen der Gebärmutter kleinste Verletzungen entstehen, wodurch die Schleimhautzellen über die Eileiter in den Bauchraum gelangen.   Zusätzlich gibt es die Theorie der retrograden Menstruation. Dabei wird angenommen, dass durch den Menstruationszyklus Gebärmutterschleimhautzellen über die Eileiter verschleppt werden. Weitere mögliche Ursachen sind ein gestörter Hormon-
zyklus sowie eine genetische Veranlagung.
 
Symptome
Die typischen Endometriose Symptome sind abhängig vom jeweiligen Zyklus:

  • Regelschmerzen
  • Menstruationsstörungen
  • Dauerschmerzen       
  • Schmerzen im Rücken und beim Geschlechtsverkehr
  • Eierstockzysten
  • Unfruchtbarkeit
  • Blut im Stuhl oder Urin

Eines der wichtigsten Anzeichen für eine Endometriose ist jedoch eine schmerzhafte Regelblutung, eine sogenannte Dysmenorrhoe. Die Schmerzen setzen meist vor der Regelblutung ein und klingen im Anschluss an die Blutung wieder ab. Bei einigen Betroffen sind die Schmerzen so stark, dass sie für die Tage der Regelblutung arbeitsunfähig werden.    Endometriose kann auch einen Dauerschmerz hervorrufen, welcher unabhängig vom Zyklus auftritt. Die Ursache hierfür ist vermutlich eine Schädigung oder Verwachsung des Gewebes.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt über eine gynäkologische Untersuchung durch Abtasten oder mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder Computertomographie. Dass es sich jedoch um Endometriose handelt, kann nur durch eine Bauchspiegelung in Erfahrung gebracht werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Gewebeproben zu entnehmen und zu untersuchen.

Therapiemöglichkeiten
Verursacht die Endometriose keine Beschwerden, muss sie nicht behandelt werden. Bei Therapieansätzen sollte allerdings generell beachtet werden, wie groß die Endometriose ist, welche Position die Herde haben, in welchem Alter die Betroffene ist und ob ein Kinderwunsch besteht. Gegen übermäßige Schmerzen können Medikamente und Hormonpräparate helfen. Dabei sind jedoch stets die Nebenwirkungen zu beachten wie: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen. Der Einsatz solcher Präparate ist aber nur möglich, solange die betroffene Frau keinen Kinderwunsch hegt. Verändertes Gewebe kann operativ entfernt werden. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Eine Operation kann direkt über die Vagina erfolgen (Exzision), wenn die Endometrioseherde auf diesem Weg zugänglich sind oder bei kleineren Herden im Bauchraum in Form einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Bei ausgedehnten oder ungünstig gelegenen Herden muss in seltenen Fällen ein Bauchschnitt erfolgen.

Unfruchtbarkeit
Viele Frauen, die unter Endometriose leiden, sind unfruchtbar. Das bedeutet aber nicht, dass man mit Endometriose zwangsläufig nicht schwanger werden kann. Die betroffenen Frauen haben häufig Probleme, spontan schwanger zu werden. Ursache dafür sind Verklebungen oder Verwachsungen des Eileiters oder der Eierstöcke, die eine Schwangerschaft auf „mechanische“ Weise behindern. Auch Herde im Bauchfell können zu Problemen führen. In einigen Fällen kann es daher von Vorteil sein, die Endometrioseherde operativ zu entfernen.  Wenn kein Kinderwunsch (mehr) besteht oder die Familienplanung abgeschlossen ist, können Betroffene mit starken Beschwerden im Notfall eine Entfernung der Eierstöcke in Erwägung ziehen, um die Symptome zu bekämpfen.

Zurück

Einen Kommentar schreiben