Ernährung während und nach der Krebstherapie.- Was ist zu beachten?

von vi|si|te (Kommentare: 0)

Darmkrebsmonat

Ernährung während und nach der Krebstherapie.- Was ist zu beachten?

Viele Gerüchte kursieren über die Ernährung während oder nach einer Krebstherapie. Teilweise werden sogar gesundheitsschädliche Informationen durch diese vermeintlichen Ratschläge verbreitet. Da sich eine Krebserkrankung sehr unterschiedlich zeigen und entwickeln kann, muss die Ernährung immer individuell an die spezielle Krebserkrankung, Krankheitsverlauf und persönliche Bedingungen und Vorlieben angepasst werden. Es gibt aber auch einige allgemeine Regeln, die bei der Ernährungsplanung gelten. Da es bei der Ernährung während der Krebstherapie viel zu beachten gibt, sollte man mit seinem Strahlentherapeuten, Diätassistenten, Apotheker, Onkologen, etc. darüber sprechen.

Grapefruitsaft zum Beispiel sorgt dafür, dass bestimmte Krebsmedikamente nicht wirken können. Das führt zu unerwünschten Auswirkungen auf die Therapie. Auch Fischöl,  Grüner Tee und Johanniskraut können die Therapie negativ beeinflussen.

Ernährungstherapie ist wichtig, damit die Krebstherapie optimal wirken kann.

Ein großes Problem bei Krebs ist Mangelernährung. Diese stellt einen Risikofaktor für die Therapietreue dar und führt unter anderem zu Schwäche und Gebrechlichkeit. Das Ernährungsteam am Klinikum Bielefeld kümmert sich insbesondere um die Vermeidung und Überwindung von Mangelernährung.

Schon vor der Therapie werden Überlegungen zur Ernährung angestellt. Wie viel Energie wird benötigt? Was passiert im Körper? Welche Schwierigkeiten existieren? Welche Lösungen gibt es? Unter Berücksichtigung dieser Fragen wird frühzeitig angefangen die Ernährung zu planen. Da der Therapieverlauf nicht vorhersehbar ist, gilt es flexibel zu bleiben und Lösungen für mögliche Probleme während der Krebstherapie bereitzuhalten.

Tumore haben einen hohen Energiebedarf. Ganz wichtig: Man kann Tumore nicht aushungern. Der Tumor holt sich die benötigte Energie von der Nahrung, die dem Körper zugeführt wird. Wird weniger gegessen, holt sich der Tumor trotzdem die benötigte Energie und man selbst erhält noch weniger Energie, was zur Mangelernährung führen kann.

Ein großes Problem stellt der geringe Appetit von Tumorerkrankten dar. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten, wie nicht ausreichende Kraft für Einkaufen, Essenszubereitung, Abwasch und Nahrungsaufnahme. Durch die Kombination dieser Faktoren mit dem hohen Energiebedarf der Tumore entsteht häufig Mangelernährung.

Durch Mangelernährung steigen Operationsrisiken, Müdigkeit und Schwäche nehmen zu, die Wundheilung wird beeinträchtigt, Druckgeschwüre entstehen und die Komplikationsrate erhöht sich. Folglich erhöht sich auch die Sterblichkeitsrate. Deswegen wird immer untersucht, ob eine Mangelernährung vorliegt und gegebenenfalls werden individuelle Lösungen entwickelt, wie diese bekämpft  werden kann.

Zu den allgemeinen Möglichkeiten der Ernährungstherapie zählen die Medikamente richtig einzunehmen und Gestaltung der Mahlzeiten durch Ambiente oder eventuell Zwischenmahlzeiten. Zudem sollte gegessen werden wann und was einem schmeckt, nicht was man für „gesund“ hält. Es ist wichtig, dass Krebserkrankte überhaupt etwas essen, um körperlich gut in der Lage sein zu können, die Krebstherapie auszuhalten. Was gegessen wird, ist zunächst zweitrangig.

Dennoch gibt es auch grobe Ernährungsempfehlungen, die Hinweise auf gut verträgliche und schlecht verträgliche Lebensmittel geben. Bewährt hat sich eine abwechslungsreiche Kost. Diese sollte gut gekaut und langsam gegessen werden.  Am Besten werden mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt gegessen. Erlaubt ist, was schmeckt und vertragen wird. Zudem ist es hilfreich, genügend zu trinken. Dabei muss beachtet werden, wenig Alkohol und keinen Grapefruitsaft zu trinken. Bei mangelhafter Kalorienzufuhr kann über den Einsatz oraler Zusatznahrung, zum Beispiel Trinknahrung oder spezielle Energiepulver nachgedacht werden.

Manche Lebensmittel können für einige Patienten ungeeignet sein. Das betrifft stark blähende Lebensmittel, sehr fetthaltige Lebensmittel, sehr grobe Vollkornbrote, hart gekochte Eier oder Eierspeisen und große Mengen an scharfen Gewürzen oder Knoblauch. Hier wieder der Rat, direkte Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen zu halten und zu besprechen welche Lebensmittel während der individuellen Therapie weggelassen werden sollten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Energie- oder Eiweißanreicherung, unter anderem bei Trinknahrung. Wenn das Essen große Mühe bereitet und Kraft kostet, wird oft auf diese Möglichkeiten zurückgegriffen. Wenn man nicht mehr ausreichend schlucken kann, kann eine Sonde durch die Speiseröhre direkt in den Magen gelegt werden. In manchen Fällen muss der Magen-Darm-Trakt umgangen werden. Dann wird ein zentralvenöser Zugang gelegt, durch den die Nährstoffe direkt in die großen Blutgefäße geleitet werden.

Während der Krebstherapie können typische Komplikationen auftreten. Die Patienten können unter Appetitlosigkeit, Geschmackstörungen, Mukositis (Entzündung des Mundes), Mundtrockenheit, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen oder Schluckstörungen leiden. Die Komplikationen können unter anderem mit Hilfe von Ernährung gelindert oder sogar beseitigt werden.

Mit Ernährung kann Krebs nicht geheilt werden! Die Ernährung kann aber unterstützend während der Therapie wirken, Symptome lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern.

Nach der Krebstherapie ist es wichtig, sich regelmäßig zu wiegen und darauf zu achten, dass das Gewicht im Normbereich bleibt. So verfügt der Körper über die nötige Kraft, um sich möglichst schnell wieder zu erholen.


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