Health-Apps – Mehr als nur ein Trend?

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Die Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Themen im Internet steigt seit Jahren stetig an

Ein Kommentar von Anne-Marie Engel
Praktikantin im Patienten-Informations-Zentrum (PIZ)

Moderne Mobiltelefone, sogenannte Smartphones, sind ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags geworden. Jetzt will uns das Smartphone neben Telefonieren, Nachrichten schreiben und Musik hören sogar ein gesünderes Leben ermöglichen. Die Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Themen im Internet steigt seit Jahren stetig an. Diesen Trend kann man auch in den Appstores unserer Smartphones beobachten. Spätestens mit der vorinstallierten „Health“ -App von Apple in iOS8 wird klar: Gesundheit ist ein MUSS für den modernen Smartphone-Nutzer. Doch was bieten die zahlreichen Apps rund um das Thema Gesundheit wirklich? Welche von ihnen sind tatsächlich nützlich und welche fungieren nur als netter Zeitvertreib? Um diesen Fragen begegnen zu können ist eine Einteilung in drei verschiedene Funktionsbereiche der Health-Apps durchaus sinnvoll.

Als besonders beliebt gelten die sogenannten Fitness-Apps. Ein populäres Beispiel stellt die App „Runtastic“ dar, die kostenlos im Appstore zu erwerben ist. Diese ist vor allem für Ausdauersportler nützlich, da sie die Trainingsergebnisse aufzeichnet und analysiert. Mittels GPS zeigt die App die zurückgelegte Strecke, die Geschwindigkeit und die verbrauchten Kalorien an. Bei Bedarf kann man sein Laufergebnis dann direkt bei Facebook teilen, wodurch unter Freunden schon der ein oder andere Wettbewerb um die Anzahl an gelaufenen Kilometern entstanden ist. Weitere Fitness-Apps dienen zum Eintragen des eigenen Trainingsplans oder zur Erinnerung an Trainingseinheiten. Den Fitnesscoach, der in Bildern oder Videos einzelne Übungen vormacht, gibt es ebenfalls bereits für das Smartphone. Gefährlich hierbei: Der virtuelle Fitnesscoach kontrolliert nicht, ob die Übung auch richtig ausgeführt wird.

Einen weiteren Funktionsbereich bilden die Ernährungs-Apps. Sie bieten die Möglichkeit den Ernährungsplan rund um die Uhr immer dabei zu haben und können zusätzlich Kalorien zählen. Das häufigste Problem besteht allerdings im regelmäßigen Benutzen der Apps. Um die Kalorien zuverlässig zählen zu können, muss man jedes Butterbrot und jede Nascherei zwischendurch in die App eintragen. Das ist nicht nur zeitintensiv, sondern erfordert eine genaue Einschätzung der Portion, die man zu sich genommen hat. In der App kann beispielsweise eine Banane eingetragen werden, die Größe dieser kann jedoch stark variieren und unterschiedliche Kalorienanzahlen beinhalten. Die App berechnet nur eine standardmäßige Kalorienanzahl für Bananen. Isst man ein Körnerbrötchen mit Butter, zwei Scheiben Salami und einem halben Ei kann das Eintragen in die App schon eine echte Herausforderung werden. Eine tatsächlich sinnvolle und kostenlose Ernährungs-App stellt hingegen „Drink Water“ dar. Aus einem simplen Grund trinken die meisten Menschen täglich zu wenig Wasser: Sie vergessen es in der Hektik des Alltags. Das kann mit dieser App nicht mehr passieren, denn sie erinnert den Nutzer daran Wasser zu trinken. Vor dem ersten Benutzen wird anhand des Körpergewichtes der tägliche Flüssigkeitsbedarf berechnet. Anschließend werden nach für nach die Wassermengen eingetragen, die der Nutzer täglich zu sich nimmt. Wurde der tägliche Flüssigkeitsbedarf noch nicht erreicht erinnert die App den Nutzer.

Den dritten Funktionsbereich stellen Medizinische Apps dar. Der Bereich ist vielfältig und bietet neben Medikamenten-Datenbanken und Ärztelisten auch die Möglichkeit Tagebücher über bestimmte Krankheitsbilder zu führen. Einige Beispiele sind Kopfschmerz- und Heuschnupfentagebücher. Diese sollen den Nutzern einen Überblick über die Häufigkeit, die Dauer und Auslöser der Symptome verschaffen. Ob dieses Protokollieren wirklich hilfreich ist sollte hinterfragt werden, denn jede Art von Selbstdiagnose stellt ein Risiko für den Nutzer und seine Gesundheit dar. Klar ist: Apps können einen Arztbesuch nie ersetzen. Wirklich nützlich werden Medizinische Apps erst für chronisch Kranke. Sie erinnern beispielsweise an Medikamenteneinnahmen. Bei einigen chronischen Krankheiten spielt zusätzlich die regelmäßige Beobachtung und Kontrolle der Blutdruckwerte eine wesentliche Rolle. Mit der „Blutdruck-App“ können die Blutdruckwerte sicher protokolliert werden und bei dem nächsten Arztbesuch abgerufen werden. Sicherlich kann die Protokollierung von medizinischen Daten auch prähistorisch mit Stift und Zettel festgehalten werden. Dennoch ist heutzutage die Chance den Zettel zu Hause zu vergessen größer, als sein Smartphone zu vergessen. Seit kurzer Zeit gibt es nun sogar Zusatzgeräte für das Smartphone, die direkt den Blutdruck oder den Puls messen können und die Ergebnisse abspeichern. Gerade für Menschen die beruflich oder privat sehr eingespannt sind können diese Möglichkeiten eine große Hilfe sein.

Health-Apps können in den Bereichen Fitness, Ernährung und Medizin unser Leben bereichern und zur Motivation von gesundheitsbewusstem Verhalten, sowie zur Erinnerung an Ziele einen wesentlichen Beitrag leisten. Kalorien- und Kilometerzähler gehören mittlerweile zu den beliebtesten Smartphone-Apps. Inwiefern sie gesundheitsbewusstes Verhalten fördern und wie oft sie dann tatsächlich genutzt werden hängt zu einem großen Teil vom jeweiligen Nutzer ab. Gesundheits-Apps bergen viele Potentiale, stoßen allerdings auch auf ihre Grenzen. Für den einzelnen Nutzer ist es wichtig, die Apps auf ihre Nützlichkeit und Qualität zu bewerten. Die neutrale Bewertung fällt bei der Vielzahl an Möglichkeiten jedoch oft schwer. Eine besondere Gefahr geht von Apps aus, die Anreize zu einer Selbstdiagnose liefern oder vorgeben einen Arztbesuch ersetzen zu können. Health-Apps sollen lediglich unseren Alltag erleichtern und können einen Arztbesuch nur ergänzen. Vor allem chronisch Kranke können die Apps sinnvoll zur Protokollierung von wichtigen Gesundheitsparametern nutzen. Wichtig ist auf Angaben zum Datenschutz zu achten, da die eingetragenen Daten auch zu kommerziellen Zwecken benutzt werden könnten. Vertrauenswürdigkeit spiegelt sich zudem in einer genauen Beschreibung wider, woher die Inhalte der App kommen, wer die Autoren der Inhalte sind, welche Risiken und Einschränkungen mit der jeweiligen App verbunden sind und welchen Zweck sie verfolgt. In den nächsten Jahren wird sich das Angebot an gesundheitsbezogenen Apps erweitern. Neue Technologien, medizinischer Fortschritt und Globalisierung bestimmen unser Zeitalter. Diese Trends sind jetzt auch auf unserem Smartphone angekommen. Nun gilt es den neuen Möglichkeiten als verantwortungsbewusster, mündiger und kritisch reflektierender Nutzer zu begegnen.

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