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Klinikum Bielefeld: Erstes zertifiziertes Alterstraumatologie-Zentrum in Ostwestfalen-Lippe

von DrmedAlexanderRübberdtDrmedWolfgangSchmidtBarzynski (Kommentare: 0)

Die alterstraumatologische Abteilung der Unfallchirurgie am Klinikum Bielefeld Mitte konnte jetzt in Kooperation mit der Klinik für Geriatrie des Klinikums Bielefeld Rosenhöhe nach DGU®-Richtlinien als Alterstraumatologie-Zentrum Bielefeld® zertifiziert werden. Es handelt sich um das erste zertifizierte Alterstraumatologie-Zentrum in Ostwestfalen-Lippe. Am Klinikum Bielefeld arbeiten die Unfallchirurgische Klinik und die Klinik für Geriatrie am Standort Rosenhöhe seit mittlerweile 10 Jahren eng zusammen im Zentrum für Alterstraumatologie der Unfallchirurgie.

„Das Zentrum war eines der ersten seiner Art in Deutschland. Die Vernetzung mit unterschiedlichen Fachrichtungen im Klinikum Bielefeld, aber auch darüber hinaus, ist ein besonderes Qualitätsmerkmal. Wir sind sehr stolz auf die Zertifizierung!“, so der Chefarzt der Unfallchirurgie Dr. med. Alexander Rübberdt.

Frakturen sind bei alten Menschen schon nach geringen Verletzungen durchaus häufig. Sie bedrohen die Selbstständigkeit der Betroffenen unmittelbar. Am Klinikum Bielefeld arbeiten Chirurgen und Geriater von Anfang an zusammen. Durch die optimale Behandlung häufiger Begleiterkrankungen, wird eine frühe Rehabilitation ermöglicht. Komplikationen und chronische Verläufe werden dadurch vermieden.
Im Zentrum für Alterstraumatologie vereinigt sich sowohl die chirurgische Kompetenz als auch das altersmedizinische Fachwissen zu einer interdisziplinären Behandlungskette. Diese komplexe Ausgangssituation stellt hohe Anforderungen an die behandelnden Ärzte. Um die Patienten in ihr bisheriges soziales Umfeld wieder zu integrieren, ist ein ganzheitliches fachübergreifendes Behandlungskonzept notwendig. Die Betroffenen müssen zum einen operativ mit modernsten Implantaten rasch versorgt werden, zum anderen benötigen sie eine individuelle Therapie ihrer Begleiterkrankungen.

Die Unfallchirurgie befasst sich mit den operativen und konservativen Verfahren zur Wiederherstellung und Erhaltung der durch Unfälle geschädigten Körperstrukturen bzw. Organe. Die Geriatrie bildet den Zweig der Medizin, der sich mit den präventiven, klinischen, rehabilitativen sowie sozialen Aspekten von Krankheiten beim älteren bzw. hochaltrigen Menschen beschäftigt. Es wurden spezielle Strukturen geschaffen und medizinisch-pflegerische Kompetenzen gebündelt mit dem Ziel, eine speziell angepasste Versorgung für den älteren und alten verletzten Patienten zu ermöglichen.

Neben der speziellen medizinisch-operativen Expertise des ärztlichen Teams, das aus Unfallchirurgen und Geriatern besteht verfügt das Alterstraumatologiezentrum über speziell geschultes Pflegepersonal als auch Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. „Die intensive medizinische Zusammenarbeit von Unfallchirurgen und Geriatern mit täglichen gemeinsamen Visiten, Fallbesprechungen und Reha-Planungen ermöglicht eine sehr individuelle Behandlung der Patienten – auch seiner häufig zahlreichen vorbestehenden Nebenerkrankungen“, sagt Dr. med. Wolfgang Schmidt-Barzynski, Chefarzt der Geriatrie am Klinikum Bielefeld Rosenhöhe. Zu nennen seien hier beispielsweise der Diabetes mellitus, die koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz, aber auch knochenspezifische Stoffwechselstörungen, wie die Osteoporose.

Die Behandlung von älteren und alten verletzten Patienten ist ein Behandlungsschwerpunkt der Unfallchirurgischen Klinik im Klinikum Bielefeld Mitte. Ziehen sich diese Patienten z.B. im Rahmen eines Sturzes eine hüftgelenksnahe Fraktur zu, bedeutet dieses neben einer häufig notwendig werdenden Operation zunächst einmal einen Verlust an Selbständigkeit und bei vielen alltäglichen Dingen auf Hilfe angewiesen zu sein.

Oberstes Ziel ist es, durch eine schnellstmögliche und komplikationsarme Behandlung – sei es ohne Operation oder durch eine Operation – den Patienten wieder mit Hilfe einer umfangreichen medizinischen Infrastruktur noch im Krankenhaus auf die Beine zu stellen und ihn in die Lage zu versetzen, Tätigkeiten des alltäglichen Lebens wieder weitgehend selbständig durchführen zu können. Dieses neben dem selbständigen Essen, insbesondere die Körperpflege, aber auch das Anziehen und Aufstehen, zunächst selbstverständlich noch alles mit entsprechender Hilfestellung.

Herkömmliche Krankenhausstrukturen ermöglichen hier sehr basale Hilfestellungen, die sich auf die Grundpflege beschränken. Normalerweise bleibt hier wenig Zeit, sich den Patienten zu aktivieren und mit Ihm zu kommunizieren. Auch krankengymnastisch erhalten die Patienten maximal eine Anwendung pro Tag.

Die zum Team gehörigen Ärzte der Geriatrie prüfen zeitnah nach der stationären Aufnahme, ob der Patient geeignet ist, um an dem entwickelten speziellen geriatrischen Komplexprogramm teilnehmen zu können. Ausschlusskriterien sind u.a. fortgeschrittene demenzielle Erkankungen als auch ein Patientenalter unter 75 Jahren, wobei hier auch Ausnahmen möglich sind.

Im Rahmen eines ca. zwei- bis dreiwöchigen Krankenhausaufenthaltes (die normale Krankenhausbehandlungsdauer liegt bei hüftgelenksnahen Frakturen nur zwischen 9 bis 11 Tagen) werden durch intensive aktivierende pflegerische Maßnahmen, aber auch durch altersspezifische physiotherapeutische Übungsprogramme Patienten wieder mobilisiert und für die Zeit nach der stationären Behandlung vorbereitet. Ziel ist es, den Patienten wieder selbständig in seine angestammte Umgebung wie z.B. die Häuslichkeit oder aber wieder in ein betreutes Wohnen zurückzuführen.

Kommt ein Patient mit einer behandlungsbedürftigen Verletzung in die Notaufnahme des Klinikums Bielefeld wird neben der medizinischen Primärversorgung sehr großen Wert auf das Screening von multiresistenten Keimen gelegt. Hierzu wird immer ein Nasen- und Rachenabstrich beim Patienten durchgeführt. Bei bekannter Keimbesiedllung des Patienten wird noch in der Notaufnahme mit speziellen Waschlösungen mit der Keimeradikation begonnen und der Patient so lange behandelt (vor und nach der Opertion) bis er keimfrei ist. Dies stellt einen sehr hohen Hygienestandard dar, den bisher in Deutschland nur wenige Kliniken vorhalten können.

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