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Sitzen - Warum so viel und was tun wir dagegen?

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Sitzen steht auf der Liste der gesundheitsgefährdenden Faktoren ganz weit oben. Die WHO stuft die körperliche Inaktivität, also zu viel Sitzen, als weltweit viertgrößte vermeidbare Todesursache ein. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die zu viel Sitzen ein doppelt so hohes Risiko haben an Diabetes und Herzkrankheiten zu leiden. Das Auftreten von Muskel-Skelett-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Depressionen, ja sogar von Krebs kann durch zu viel Sitzen begünstigt werden. Außerdem ist das Risiko deutlich vor der statistischen Lebenserwartung zu sterben erhöht.

Doch wie kam es dazu, dass wir so viel sitzen?
Ursprünglich war der Homo sapiens den ganzen Tag in Bewegung. Auf dem Feld, auf der Jagd, und um von A nach B zu kommen, musste er laufen. Der Mensch ist dafür gebaut, sich zu bewegen. Ein natürlicher Mechanismus, denn wir sind dafür konstruiert, uns zu bewegen, Bewegung hält uns gesund.

Doch im Laufe der Zeit wurden immer mehr Dinge erfunden, die unsere Bewegung reduzierten. Der Stuhl war ursprünglich ein Rastplatz nach getaner Arbeit in Bewegung. Heute nutzen wir ihn in verschiedenen Formen für den Großteil unseres Tagesablaufes. Bei der Arbeit als Schreibtischstuhl, zu Hause beim Essen oder beim Kaffee trinken. Zu extrem vielen Gelegenheiten setzen wir uns hin. Wir laufen nicht mehr zu dem Ort, zu dem wir wollen, wir fahren Auto, Bus oder Straßenbahn. Wenn wir in den öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Sitzplatz bekommen ärgern wir uns. Genauso im Wartezimmer beim Arzt oder, wenn wir für etwas Schlange stehen müssen. Immer haben wir das Bedürfnis uns zu setzen.

Die Erfindung des Fernsehers war da auch nicht von Vorteil. Uns wurde suggeriert, dass unsere Freizeitgestaltung im Sitzen vorm Fernseher völlig ok ist und mit einem Sofa wurde es auch noch herrlich bequem. Nach einiger Zeit folgte der Computer und unser Weg in eine sitzende Gesellschaft war besiegelt.
Trotz der negativen Folgen des Sitzens muss aber auch gesagt werden, dass Sitzen das Herz entlastet. Das Blut sackt nicht mehr in die Beine und wir benötigen nur eine geringe Körperbewegung bei der Arbeit im Sitzen. Somit sind noch ausreichend Kapazitäten für den Kopf frei und wir können uns konzentrieren. Sitzen befähigt uns zu geistigen Höchstleistungen, also sitzen wir. In der Schule, im Büro. Das einzige Problem dabei ist, dass es übertrieben wird und dann ist das Sitzen eben gesundheitsschädlich.

Sport als Ausgleich?
Leider muss den sportlichen Menschen unter uns gesagt werden, dass es zwar mit Sicherheit gesundheitsförderlich ist, Sport zu treiben. Jedoch kann man die negativen Effekte des langen Sitzens mit einer Stunde Laufen oder dem Besuch des Fitnessstudios nach der Arbeit nicht ausgleichen. Es hilft nur eines gegen das lange Sitzen: NICHT lange Sitzen.

Arbeit im Stehen und in Bewegung?
Es ist tatsächlich bereits erprobt: Arbeit im Stehen an einem Pult auf einem Laufband, welches sich langsam bewegt. Also sprechen wir eigentlich von Arbeit im Gehen. Die Vorstellung ist sicher gewöhnungsbedürftig. Durch die leichte Bewegung ist der Körper Erschütterungen ausgesetzt, die es sicherlich schon erschweren einen Kaffee zu trinken oder sauber zu schreiben. Auch beim Telefonieren muss wohl erst erläutert werden, dass das summende Geräusch von einem Laufband kommt und man selbst unregelmäßiger atmet, weil man eben auf diesem steht. Die persönlichen Gespräche mit Besuchern im Büro würden sich wohl auch zunächst um die ungewöhnliche Einrichtung des Arbeitsplatzes drehen. Aber der Effekt heiligt die Mittel: Probanden berichten, dass es sich im Stehen schneller arbeitet und man der Arbeit irgendwie selbstbewusster gegenübertritt. Und trotz der dauerhaften Bewegung ist man weniger müde. Auch ungeübte Menschen kommen so ganz leicht auf drei bis vier gelaufene Kilometer pro Tag und man kann sogar abnehmen, wenn man jeden Tag während der Arbeit läuft.

Also: einfach mal beim Arbeitgeber nach einem Laufbandschreibtisch fragen oder sich selbst einen bauen.

Was tun, wenn es keinen Laufbandschreibtisch gibt? Hat man eine sitzende Tätigkeit sollte man versuchen mindestens einmal pro Stunde aufzustehen und sich kurz zu bewegen. Unterlagen zu einem Kollegen bringen oder dergleichen. Und versuchen Sie mal Bewegung bewusst in Ihren Tagesablauf einzubauen. Nehmen Sie auf dem Weg zu Ihrem Kollegen zum Beispiel die Treppe und nicht den Aufzug. Verbringen Sie Ihre Mittagspause draußen bei einem kleinen Spaziergang. Nutzen Sie in Bus und Bahn absichtlich den Stehplatz, das trainiert zusätzlich noch den Gleichgewichtssinn. Und lassen Sie das Auto bei kurzen Strecken einfach mal stehen. Gehen Sie zu Fuß, besonders wenn die Sonne scheint, das bringt noch zusätzliche Glücksgefühle.

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