Stressvermeidung

von Dr. med. Wolfgang Schmidt Barzynski (Kommentare: 0)

Stressvermeidung

Stress – dieser Begriff dürfte wohl niemandem unbekannt sein. Es gibt unzählige Ratgeber zum Thema und gewöhnlich wird Stress negativ bewertet. Das sollte man jedoch kurz mit etwas Aufmerksamkeit bedenken. Stress bedeutet u.a. „Anspannung“, aber auch „Belastung“. Zwei Phänomene, die wir als Lebewesen unbedingt zum Leben brauchen. Ohne den Wechsel von Anspannung und Entspannung, von Belastung und Entlastung würden wir rasch krank und würden nicht lange leben. Wenn üblicherweise also die Negativversion Stress gemeint ist, handelt es sich um Belastung zur falschen Zeit oder am falschen Ort.

Wir fühlen uns durch alle möglichen Aspekte unseres postmodernen Lebens gestresst: die Arbeit, die Beziehung, die Politik, den Berufsverkehr... Die Liste ließe sich deutlich verlängern. Warum stutzt man da nicht? Stress ist also offenbar keine feststehende Größe, wie ein Hindernis, das man vermeiden kann. Sind es womöglich wir selbst, die den Stress herstellen?

Jetzt folgt ein Aufschrei. Der Betroffene ist doch nicht für seine Arbeitsbelastung verantwortlich, schon gar nicht ist er schuldig am Verkehrsstau. Die Natur hat uns Stressreaktionen gegeben, um unseren Fressfeinden davonlaufen oder gegen unsere Rivalen kämpfen zu können. Und sinnvollerweise denken wir beim Rascheln im dunklen Wald sofort an eine Gefahr, obwohl die Wahrscheinlichkeit statistisch gesehen gering ist und reagieren im Stress. Es ist ein Überlebensvorteil 99 von 100 mal unbegründet zu fliehen, um dem einen Raubtier zu entkommen, als 100 mal entspannt auf das eine Mal gefressen zu werden zu warten.

Zu Hause passiert uns das nicht, da kennen wir die Umgebung, wir sind entspannt. Aber vielleicht schafft man es ja, sich immer dort wo man in Stress gerät, zu fragen, ob man hier wirklich im „dunklen Wald“ oder im „trauten Heim“ ist? Will sagen: wahrscheinlich hat man zahlreiche Möglichkeiten, die Stresssituation im eigenen Sinne zu beeinflussen. Zum eigenen Auftritt kann man nicht zu spät kommen.

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