Das Micra™ AV-System: Implantation eines sondenlosen 2-Kammer-Herzschrittmachers am Klinikum Bielefeld erfolgt

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Die Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Bielefeld Mitte unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Stellbrink kann inzwischen als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland das Micra™ AV-System – den weltweit kleinsten Herzschrittmacher – einsetzen, der völlig ohne Kabel auskommt.

Seit vielen Jahren werden Herzschrittmacher erfolgreich in der Behandlung von Menschen mit langsamen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Bisher war dazu ein Aggregat erforderlich, das unter die Haut oder den Brustmuskel eingepflanzt wurde und über Kabel mit dem Herzen verbunden ist. In Deutschland tragen ca. 500.000 Menschen einen solchen Herzschrittmacher.

Seit 2012 gibt es die sogenannten „sondenlosen“ Herzschrittmacher. Diese kommen mit einem Zehntel der Größe eines konventionellen Schrittmachers aus und können daher wie eine Kapsel komplett in das Herz eingesetzt werden, ohne dass Kabel aus dem Herzen geleitet werden müssen und ein Aggregat unter die Haut oder den Brustmuskel implantiert werden muss. Der Schrittmacher ist also für die Patient*innen „unsichtbar“.

Bisher war die Einpflanzung dieser Systeme jedoch nur bei wenigen Patient*innen möglich, da sie lediglich die rechte Herzkammer stimulieren können, ohne die elektrische Aktivität der Herzvorhöfe wahrzunehmen (sog. „1-Kammer-Schrittmacher“).

Nun hat die Firma Medtronic (Minneapolis, USA) einen neuen Herzschrittmacher entwickelt, den „MicraTM AV“, der über einen Bewegungssensor die Wahrnehmung der Vorhofaktivität ermöglicht. Dies ist wichtig, um Herzvorhöfe und -kammern aufeinander abzustimmen. Das Herz pumpt somit „physiologisch“. Das heißt, die Pumpaktion läuft weitgehend so ab wie die normale Herzaktivierung. Der Schrittmacher arbeitet „AV-synchron“.

Gleichzeitig mit 4 anderen Kliniken in Deutschland wurde der erste Schrittmacher dieses Typs nun im Juli 2020 im Klinikum Bielefeld bei einem Patienten implantiert, bei dem der konventionelle Herzschrittmacher aufgrund einer Infektion explantiert werden musste und es somit keine andere Möglichkeit der Einpflanzung gab.

„Dies ist ein großer Fortschritt in der Versorgung von Schrittmacherpatient*innen,“ sagt Prof. Dr. Christoph Stellbrink, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Klinikum Bielefeld nach dem Eingriff, der komplikationslos durch den Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Hansky vorgenommen wurde. „Nun können wir auch Patient*innen mit AV-Block kabellos mit einem Herzschrittmacher behandeln, die bisher nur mit einem konventionellen Herzschrittmacher versorgt werden konnten. Dies ist wichtig, da dies prinzipiell ca. 35.000 Patient*innen mit AV-Block pro Jahr betrifft.“

Bei dem sogenannten AV-Block ist die Überleitung der elektrischen Erregung von den Herzvorhöfen zu den Herzkammern gestört. Durch den Schrittmacher werden Symptome wie Kurzatmigkeit, Schwindel und Ohnmachtsanfälle effektiv behandelt. „Allerdings wird die Implantation noch nicht bei jedem/jeder Patient*in möglich sein. Wir müssen noch Erfahrungen sammeln, ob die Wahrnehmung der Vorhofaktivität bei allen Patient*innen gut funktioniert. Daher verwenden wir diese Systeme aktuell nur bei sehr wenigen, ausgesuchten Patient*innen.“

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