Zunehmende Digitalisierung auch orthopädischen Operationsbereich

von Prof. Dr. med. Ludger Bernd (Kommentare: 0)

Der Ersatz von arthrotischen Gelenken mit Kunstgelenken, vor allem am Hüft- und Kniegelenk, spielt seit etwa 50 Jahren eine zunehmende Rolle in der operativen Orthopädie. Eine langsam zunehmende Gelenkzerstörung ist eine typische Alterserscheinung – die betroffenen Gelenken zeigen eine Schmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkung.

Die Kunstgelenkversorgung führt nach Jahren zu einer Lockerung der implantierten Kunstgelenke. Ein Teil der operierten Patient*innen sind mit ihren Gelenken auch deshalb unzufrieden, weil die gewünschte Beweglichkeit nicht erreicht wird. Es ergibt sich mit den bekannten Systemen das Problem, dass in bestimmten Fällen eine Auslockerungstendenz besteht.

Eine gute präoperative Planung ist entscheidend

Die guten Ergebnisse bei den künstlichen Gelenken sind auch wesentlich abhängig von einer guten präoperativen Planung. Bisher wurde die präoperative Planung der Kunstgelenke anhand eines zweidimensionalen Röntgenbildes vorgenommen. Somit waren auch nur zwei Dimensionen bei der Planung möglich. Bei den digitalen Möglichkeiten mit der verbesserten Rechenleistung können vor der Operation jetzt dreidimensionale Bilder erstellt werden. An diesen dreidimensionalen Planungen werden die Prothesenteile für die Patient*innen sehr genau in den Knochen positioniert und verankert. Diese optimale, vor der Operation stattfindende Planung wird dann intraoperativ mit Hilfe der deutlich verbesserten, robotergestützten Möglichkeiten vorteilhaft bei der Operation umgesetzt. Auch kommt es zu einer schnelleren Rehabilitation und Mobilisation der Patient*innen nach der Operation. Das postoperative Schmerzniveau ist reduziert und die exakt implantierten Kunstgelenke versprechen eine längere Lebensdauer.

Die roboterunterstützte Implantationstechnik wird in unserem Krankenhaus seit Oktober 2018 mit dem MAKO-System durchgeführt. Das Klinikum Bielefeld ist in Nordrhein-Westfalen die erste Klinik, die diese Technik zur Anwendung bringen konnte. Etwa 450 Eingriffe wurden bisher mit diesem System durchgeführt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass unsere Patient*innen von diesen neuen Möglichkeiten profitieren. Sie sind schneller wieder fit, haben weniger Schmerzen und die Gelenke sind besser beweglich.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die roboterassistierte digitale Implantationstechnik die Ergebnisqualität des Gelenkersatzes deutlich verbessert hat.

Der Operationssaal der Zukunft

Diese digitalen Möglichkeiten werden wir auch auf andere Gelenke ausweiten. Hier stehen zunächst künstliche Hüftgelenke an und es ist damit zu rechnen, dass diese digitalisierten robotergestützten Verfahren den Operationssaal der Zukunft zunehmend zu einem hoch entwickelten IT-Center machen werden. Neben der Operateurin oder dem Operateur sowie der Operationspflege wird auch ein/e IT-geschulte/r Mitarbeiter*in im OP-Saal eine Rolle spielen. Bis die Roboter die Operation als Ersatz des Arztes oder der Ärztin durchführen können, wird allerdings noch eine längere Zeit vergehen.

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